|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||
| The Observer Bjoern Schuelke 2001
interactive video sculpture. steel, alloy, monitor, cameras, lights, motors, electronic, sensors. |
||||||||||||||
![]() |
The Observer Björn Schülke komponiert Materialien und Techniken der hypermodernen Elektronik mit Objekten archaisch anmutender Mechanik und Elektrotechnik zu utopisch wirkenden Skulpturen; die der technischen Potenzmeierei ihre eingebauten Schwächen vorhalten. Was der Mensch auch an perfekter High Tech erschafft, es birgt dankenswerter Weise (noch) seine kreative Unzulänglichkeit. Roboter machen keine Fehler und überlassen nichts dem Zufall - so hofft man. Deshalb würden sie auch niemals Menschen, denn: Nobody is perfect! Was ist aber mit einem genialen Gerät, das nobody hat? Björn Schülkes Assemblagen hinterfragen unser nicht überzeugtes Wünschen, dass hinter den dienstbaren Objekten des Elektronik- und Medienzeitalters nur positive und ethische Werte stehen. So analysierte der technisch versierte Künstler zum Beispiel 'optische Systeme' mechanischer Fotokameras oder schuf "Täuschungsmaschinen", die formal an die Anfänge der Kinematographie anknüpfen aber die subtileren Mechanismen der zeitgenössischen Medienindustrie meinen. Vielfach reagieren Infrarotsensoren, Videokameras und Bewegungsmelder elektrothermisch und audiovisuell auf Anwesen-heit und Verhalten warmblütiger Lebewesen im Umraum. Schülke operiert mit einem ähnlichen Repertoire der Mittel, wie es dem elektronisch gerüsteten Bewachungs- und Überwachungsgewerbe zu Gebote steht. Diese blühende Branche hat Orwells Prognose für das Jahr 1984 technologisch längst in den Schatten gestellt: Deren raffinierte Technik und subtile Methodik birgt latente Gefahren für die demokratischen Bürgerrechte, erfordert Aufmerksamkeit und Aufklärung. Björn Schülkes elektronische Objekte thematisieren diese Ambivalenz von Segen und Verderben, von Bildung und Verbildung mittels eines Dialogs von Ironie und Ernst. Dabei sind das Formale und Inhaltliche nicht selten identisch, entsprechend Mc Luhans berühmter Feststellung: Das Medium ist die Botschaft. Wie eine schwarze Spinne seilt sich von der hohen Decke des Köln-Sürther Kunstraum Fuhrwerkswaage ein satellitenartig gespreiztes Objekt ab. Drei große Auslegerkonstruktionen mit über drei Metern Spannweite und banalen Ventilatoren als Garanten horizontalen Kreisens ragen aus einem birnen- bis bombenförmig gerahmten Leib, der reliefartige Schalttafeln und wirre Kabelstränge wie elektronische Organe und Eingeweide offenlegt. Wiederum drei gelenke Metalltentakel, an ihren dürren Enden mit Videokameras und blinkenden Lampen bestückt, werden von einem klackenden Schaltsystem in festgelegtem Zeittakt gesteuert, oder reagieren per Selbstauslöser auf das Geschehen im Umfeld. Schalter werden von Schaltern geschaltet. Das oder der Beobachtete erscheint schwarz-weiß auf einem Monitor im Zentrum des Oberservers, so lautet der Name des am Stahlseil hängenden mobilen Beobachters. Fällt diesem etwas Besonderes auf, verweilen seine Kameras auf dem Motiv: das Bild zeigt länger das Verdächtige und verunsichert es. Schon allein von der mageren Ästhetik dar schwarzen Konstruktion strahlt Bedrohlichkeit aus. Die audiovisuellen Fühler und kalt registrierenden Stielaugen, das masselose Skelett aus Metallstäben, Drähten und Zugseilen, aus modernsten Minikameras und lichttastenden Lampen, und aus banalen Wasch-maschinenschaltern und Garnrollen, verbinden sich zu einer Metamorphose aus High Tech und simpler Mechanik, die das surrende und signalisierende Objekt sogar komisch erscheinen läßt. Eher macht es Lärm wie ein bellender Hofhund, der sich geräuschvoll anschleicht. Gerade diese witzige Diskrepanz aus Spitzenelektronik und Uraltmechanik fördert die Assoziation. läßt uns in diesem futuristischen Gebilde eine Chimäre aus Technischem und Orga-nischem schauen, in ihm etwas unheimlich Wesenhaftes vermuten. Für wen oder was spioniert es? Oder ist es einfach nur neugierig wie eine Katze? Provoziert wird des Menschen archaische und überlebensnotwendige Antipathie beobachtet zu werden, und deutlich wird zugleich dessen ebenso altes Bestreben, durch Kontrolle Macht über die Mitmenschen zu gewinnen. Eben in diesem menschlichen Sinne ist dieses elektronische Kunstwerk von Björn Schülke angesiedelt zwischen Persiflage und seriöser Mahnung, ist seine technoide Wesenhaftigkeit gefangen in eigener technischer Potenz, die hier zum Zerrbild des menschlichen Charakters mutiert. Sein geschäftiges Mißtrauen und klackendes Sichvergewissern kann auch als Mimikri und Sinnlosigkeit gedeutet werden. Möglicherweise fürchtet der Observer sich? Hat er etwa als menschliche Schöpfung etwas Menschliches in seinem elektromechanischem Gedärm? Regelmäßig gesteuert - natürlich elektronisch - zieht der schwarze Observer' seine Spähtentakel ein und sich insgesamt nach oben am Seilzug zurück. Zu einer kurzen Schlafpause. Doch aufgepaßt! Gleich ist er wieder aktiv und hat Sie Warmblüter wieder kaltblütig im Objektiv - summend, klickend, blinkend, flimmernd. Lustig, wie er einen beäugt. Denn: Gefährlicher sind die Stillen! Gerhard Kolberg |
|||||||||||||
![]() |
||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||